Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine Kennzahl, die den erwarteten Nettogewinn im laufenden Geschäftsjahr in Relation zu dem aktuellen Aktienkurs an der Börse setzt.

KGV = Nettogewinn / Aktienkurs

Je niedriger das KGV, desto günstiger scheint der Kaufpreis der Aktie zu sein.

Erwirtschaftet ein börsennotiertes Unternehmen einen Gewinn von 1,00 € je Aktie und kostet eine Aktie 9,00 € an der Börse, ergibt sich ein KGV von 9 ( = 9,00 € Kaufpreis an der Börse / 1,00 € Gewinn je Aktie).

Ein KGV von 9 sagt aus, dass der Anleger beim Kauf der Aktie und jährlich gleichbleibendem Gewinn des Unternehmens 9 Jahre warten müsste, um seinen Einsatz wieder zurückverdient zu haben.

Fallen bei der Berechnung des KGVs:

Natürlich gilt es bei der Berechnung des KGVs Fallen zu umgehen. Leider hat es sich seit ca. der Jahrtausendwende eingebürgert, das KGV mit dem geschätzten Gewinn des laufenden Geschäftsjahres eines Unternehmens zu berechnen.

Das bedeutet, wenn Sie in irgendeiner Zeitschrift eine Berechnung des KGVs eines börsengehandelten Unternehmens lesen, wurde dieses KGV zu mindestens 90% der Fällen mit dem geschätzten Gewinn des laufenden Geschäftsjahres berechnet.

Dass eine Berechnung des KGVs mit dem geschätzten Gewinn des laufenden Geschäftsjahres völlig daneben ist, zeigen folgende Argumente:

  • “Analysten” schätzen den Gewinn eines börsennotierten Unternhemens. Welche Analysten das sind und auf welchen Grundlagen deren Schätzung basiert ist im Allgemeinen nicht bekannt. Daher ist für den defensiven Investor die Berechnung einer Kennzahl, die auf Schätzung basiert völlig unbrauchbar. Eine solche Kennzahl ernst zu nehmen ähnelt einem Glücksspiel. Dass sich diese Berechnungsmethode des KGVs seit ca. der Jahrtausendwende durchgesetzt hat, ist mir persönlich ziemlich schleierhaft.
  • In Zeiten massiver Kursstürzen wird den Anlegern empfohlen, erst bei einem KGV von unter 8 wieder einzusteigen, da historisch gesehen in Finanzkrisen ein KGV von 8 immer unterschritten wurde. Nach der Lehmann-Pleite wurden neben den Kursstürzen an den Börsen auch die laufenden Gewinne der börsennotierten Unternehmen ständig von den Analysten nach unten revidiert. Und das für mindestens 3 Jahre lang. Dies und die “falsche” Berechnung des KGVs mit dem geschätzten Gewinn des laufenden Geschäftsjahres führte dazu, dass das KGV seit der Lehmann-Pleite “offiziell” nie unter den Wert von 10 kam, obwohl 2009 die Zeit gekommen war, um in Aktien zu investieren. Warum?
    • die Aktienkurse sanken
    • die laufenden Gewinne der Unternehmen wurden ständig nach unten revidiert (bis ca. 2010)
    • KGV “offiziell” = Aktienkurs / geschätzter Gewinn

Wenn beide Werte in der selben Geschwindigkeit nach unten gehen, ändert sich das Ergebnis (KGV) nie!

Um ca. 2010 erkannte man im Allgemeinen, dass die geschätzten Gewinne durch die Analysten zu stark nach unten revidiert wurden. Das bedeutet, nach Abschluss des laufenden Geschäftsjahres haben die börsennotierten Unternehmen ihre Gewinne nach oben revidiert, was sich wie folgt auf das “korrekte” KGV auswirkt:

  • sinkender Aktienkurs
  • nach oben revidierte Gewinne
  • KGV “korrekt” = sinkender Aktienkurs / nach oben revidierte Gewinne

Angenommen. eine Aktie kostet 20,00 €. Der Gewinn wurde jahrelang von Analysten nach unten revidiert, sodass der geschätzte Gewinn des laufenden Geschäftsjahres aktuell bei 2,00 € liegt, dann ergibt sich ein KGV von 10 (20,00 € Kurs / 2,00 € geschätzter Gewinn).

Beträgt der tatsächliche Gewinn der eben beschrieben Firma nach dem laufenden Geschäftsjahr allerdings 5,00 € je Aktie, wäre das “korrekte” KGV bei 4 gewesen (20,00 € Kurs / 5,00 € korrigierter Gewinn).

Und genau das ist in 2009 passiert. Die meisten Anleger haben sich auf die Gewinnrevisionen der “Analysten” verlassen. Fast alle glaubten, die Gewinne werden immer weiter zurückgehen, auf die tatsächlichen Gewinne, nachdem diese dann teilweise gewaltig nach oben revidiert wurden, achteten leider die wenigsten. Daher ist die Aussage “seit der Lehmann-Pleite hat der Aktienmarkt das KGV von 10 nicht unterschritten” falsch.