Was genau ist eine Aktiengesellschaft?

Allgemeines und historisches über die Aktiengesellschaft

Eine Aktiengesellschaft ist eine Rechtsform die im deutschen Aktiengesetz (AktG) geregelt ist. Im Allgemeinen haben deshalb Unternehmen dieser Rechtsform die Abkürzung “AG” hinter ihrem Firmennamen stehen. Wenn die Firma “Musterfirma” als Aktiengesellschaft fungiert lautet die Schreibweise “Musterfirma AG“.

Es gibt aber auch eine europäische Form der “deutschen” Aktiengesellschaft, nämlich die Societas Europaea (zu deutsch: Europäische Gesellschaft). Diese Rechtsform wird mit SE abgekürzt. Daher haben Unternehmen dieser Rechtsform die Abkürzung “SE” hinter ihrem Firmennamen stehen. Also beispielsweise “Musterfirma SE“.

Die SE ist eine Rechtsform für Aktiengesellschaften mit Sitz der Muttergesellschaft innerhalb der Europäischen Union. Im Gegensatz zur AG bietet die SE länderübergreifend einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen. Da sich SE-Gesellschaften aber an die jeweiligen nationalen Gesetztgebungen halten müssen, sind die EU-Vorgaben für eine SE nur Rahmenbedingungen, jedoch keine Gesetze. Die von der EU vorgegebenen Richtlinien für SE-Gesellschaften sind aber in der Lage, nationale Vorschriften auszuhebeln. Dann wiederum liegt es an den einzelnen europäischen Mitgliedsstaaten, diese Richtlinien in nationales Recht umzuwandeln, damit in dem entsprechenden Staat die Möglichkeit besteht, eine SE-Gesellschaft zu begründen.

Nicht nur aufgrund der Komplexität haben sich bisher nur wenige, hauptsächlich große, global orientierte Unternehmen zur Umwandlung der Rechtsform in SE entschieden. Denn auch nur große, vor allem hauptsächlich in der Europäischen Union agierende Unternehmen können durch die Umwandlung in die Rechtsform SE durchaus Vorteile genießen.

Stand März 2017 haben sich nur 2.695 Unternehmen (Quelle: Wikipedia) mit Sitz in der Europäischen Union dazu entschlossen, die Rechtsform der SE anzunehmen. Dagegen gibt es in Deutschland rund 8.000 Unternehmen mit der Rechtsform AG (Quelle: Wikipedia).

Da die SE-Gesellschaften eine besondere Form der Aktiengesellschaft sind, gilt folgendes nur für “deutsche” Aktiengesellschaften, wobei ggf. auf Besonderheiten der SE-Gesellschaft verwiesen wird.

Aktiengesellschaften gab es bereits in der Antike. Schon damals wurden große Projekte, die nicht von einzelnen Personen alleine gestemmt werden konnten (beispielsweise Handelsprojekte in Form von Schifffahrten nach Übersee) in einer Gesellschaft organisiert. Diese Kapitalsammelstellen zogen also das Geld der Teilhaber ein und organisierten die entsprechende Unternehmung bzw. das entsprechende Abenteuer. Die Teilhaber an den Unternehmungen / Abenteuer erhielten bei Erfolg einen Gegenwert (Gewürze, Stoffe, …) und zwar in Abhängigkeit der Höhe ihres eingesetzten Kapitals. Schließlich kann man die organisierte Gesellschaften von damals im übertragenden Sinne als Aktiengesellschaft sowie dessen Teilhaber an Unternehmungen / Abenteuer als Aktionäre bezeichnen.

Bei Aktiengessellschaften handelt es sich also um Kapitalgesellschaften dessen Grundkapital in Aktien zerlegt ist.

Gründung einer AG

Wer in Deutschland eine AG gründen möchte, benötigt ein Grundkapital von mindestens 50.000 €. Die AG kann durch eine oder mehrere natürliche oder juristische Personen oder sogar durch rechtsfähige Personengesellschaften gegründet werden, die die Aktien gegen Einlagen übernehmen.

Beispiel:

Wenn Sie eine Aktiengesellschaft gründen möchten, benötigen Sie also ein Mindestgrundkapital von 50.000 €. Dieses Grundkapital kann mit Barmitteln und / oder Sacheinlagen bereit gestellt werden.

In der Regel werden bei Aktiengesellschaften das Mindestgrundkapital von 50.000 € deutlich überschritten. Auch sind in den meisten Fällen einige Tausend, bei großen, global agierenden Aktiengesellschaften sogar mehrere Millionen Aktionäre an der entsprechenden Aktiengesellschaft beteiligt.

Durch den Kauf von Aktien erwerben Sie Anteile an der entsprechenden Aktiengesellschaft und werden somit zum Anteilseigner bzw. zum Aktionär. Sie werden mit dem Kauf der Aktien Miteigentümer der Gesellschaft und erwerben sich somit das Recht, in Sachen Gesellschaftsangelegenheiten mitzubestimmen (beispielsweise Teilnahme und Abstimmung an der Hauptversammlung) sowie am Unternehmenserfolg beteiligt zu werden (beispielsweise in Form von Dividenden).

Vorteile der Aktiengesellschaft gegenüber anderer Rechtsformen

Wenn die Aktiengesellschaft – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr in der Lage ist, ihre Geschäftstätigkeiten fortzusetzen und daher Insolvenz anmeldet, haftet die Aktiengesellschaft nur in Höhe ihres Vermögens bzw. Grundkapitals. Das bedeutet, wenn Sie sich beispielsweise mit 5.000 € an einer Aktiengesellschaft beteiligt haben und die entsprechende Aktiengesellschaft geht bankrott, verlieren Sie zwar Ihre Einlage in Höhe von 5.000 €. Jedoch können Sie nicht von den Gläubigern der Aktiengesellschaft zur Zahlung von größeren Schadensersatzleitungen belangt werden. Das bedeutet für Sie: Sie haften als Aktionär nur in Höhe Ihrer Einlage, Ihr Privatvermögen ist im Gegensatz zu Personengesellschaften geschützt.

Organe einer Aktiengesellschaft

In Deutschland sind die Organe der Aktiengesellschaft im Aktiengesetz geregelt und setzen sich wie folgt zusammen:

  • Vorstand
  • Aufsichtsrat
  • Hauptversammlung

Der Vorstand setzt sich in der Regel aus mehreren Vorstandsmitgliedern zusammen und wird vom Aufsichtsrat bestellt. Die Aufgabe des Vorstands besteht darin, die Aktiengesellschaft nach außen und innen zu vertreten und die Geschäftsführung zu organisieren.

Der Aufsichtsrat ist das Kontrollorgan einer Aktiengesellschaft und überwacht die Tätigkeiten des Vorstandes. Der Aufsichtsrat wird durch die Hauptversammlung gewählt und besteht aus mindestens 3, jedoch maximal 21 Aufsichtratsmitgliedern. Unterliegt das Unternehmen dem Mitbestimmungsgesetz, kann der Aufsichtsrat aus jeweils bis zu 10 Vertretern der Anteilseigner und der Arbeitnehmer bestehen, also in Summe aus maximal 20 Aufsichtratsmitgliedern. In Pattsituationen hat dann der Aufsichtsratsvorsitzende, der von den Anteilseignern gestellt wird, 2 Stimmen.

Die Hauptversammlung ist eine Versammlung der Anteilseigner. Sie findet in der Regel ein Mal im Jahr statt. Auf der Hauptversammlung werden beispielsweise neue Aufsichtsratsmitglieder gewählt, über die Verwendung des Bilanzgewinns (beispielsweise ob und wie hoch die Dividendenausschüttung ist) sowie über Satzungsänderungen (beispielsweise Erhöhung des Grundkapitals, Ausgabe neuer Aktien, Aktienrückkaufprogramme) entschieden. Für Entscheidungsfindungen reichen grundsätzlich 50% + 1 der Stimmen aus, manche Satzungsänderungen erfordern jedoch eine 3/4-Mehrheit. Die Hauptversammlung entscheidet aber nicht direkt über die einzelnen Tätigkeiten des Vorstandes.